1. Metaphern zu Sprachen, sprachliche Metaphern, metaphorische Sprachen

    Deutsche Manifaktur FederDie deutsche Sprache ist Manufaktur, qualitativ hochwertig, aber kein Produkt ist perfekt – die Ecken und Kanten sind noch im Mund zu spüren: Niemand! Wunde! In Ordnung! Brot! Staat! Tisch! Stuhl!

    Albanisch ist der Flug eines alten Vogels, er setzt an, ihm ist noch die Eleganz der Jugend anzusehen, aber kurz darauf zwingt ihn die Erschöpfung zur Landung: Asnjeri. Plagë. Në rregull. Bukë. Shtet. Tavolinë. Karrige.

    Hebräisch ist eine Erkältung, die Stimme ist rau und manchmal ein wenig weich, sie erinnert an den Gesang guter Bands, aber hin und wieder verfangen sich Laute im Hustenschleim: Af’echaad’lo (אף אחד לא) 1. Peza (פצע). L’asher (לאשר). L’echem (לחם). Medina (מדינה). Schulchan (שולחן).

    Arabisch erinnert an ein ähnliches Krankheitsbild, doch der Patient versucht sich mit Pathos zu heilen: Nakera (نَكِرَة). Gurh (جُرْح). Hasanan (حسنا). Chubz (خُبْز). Balad (بَلَد). Cheua’n (خِوَان). Beraz (بِرَاز).

    Italienisch, vielleicht 2 das Herz und die Leidenschaft, und natürlich das Klopfen: Nessuno! Piaga! In ordine! Pagnotta! Stato! Tavola! Cattedra!

    Ein Ball könnte Englisch sein, er rollt vor sich hin, manchmal tritt ihn jemand, dann ist er etwas schneller, trifft vielleicht das Ziel, hin und wieder geht ihm auch die Puste aus: No one. Wound. Alright. Bread. State. Table. Chair.

    Französisch aber ist die Feder 3, sie schwebt in der Luft und wenn sie zu Boden fällt, dann landet sie zart: Personne 4. Blessure. D’accord. Bâtard. État. Table. Chaise.

    Nächste Woche: Japanisch, Suaheli, Persisch, Russisch, Pitjantjatjara und Jukagir.
    Bild: Feder aus deutscher Manifaktur.


    1. Es ist nicht die identische Übersetzung. Ich bin Anfänger.
    2. Eine besonders gute Idee ist das ohnehin nicht. Sprachen mit Lebewesen, Gegenständen, Krankheiten und körperlichen Aktivitäten zu vergleichen.
    3. Allein das Accent ist eine Feder, die über dem Buchstaben ruht, hach.
    4. Leider beherrsche ich diese Sprache (wie auch Arabisch und Italienisch) (noch (mein Therapeut empfahl mir Optimismus)) nicht und musste dieses Wort also nachsehen. Ich weiß nicht, ob es die richtige Übersetzung ist. Selbst wenn ich mich täusche, widerspricht es meinen Beschreibungen doch kaum.

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  2. Leaving the internet  ~

    The problem is, Paul could do all of these things today, while still using the internet. He could hang out with friends more frequently, send fewer emails, spend less time trolling Facebook. The internet isn’t the cause of Paul’s (assumed) boring, meaningless life. Paul is.

    Garett Murray erklärt Paul Miller, der sich ein Jahr vom Internet fern halten möchte, wieso nicht das Internet schuld daran ist, dass er so viel Zeit dort verbringt.


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  3. Töten für die Kunst

    Künstlerische Darstellung eines Schafs

    Zwei Berliner Studenten haben vor, ein Schaf mit einer Guillotine zu töten, wenn eine Mehrheit auf ihrer Webseite dafür stimmt.

    Töten für die Kunst ist nicht neu. Im”Wiener Aktionismus” der 60er Jahre wurden Tiere vor Publikum umgebracht. In den Niederlanden erreichte Katinka Simonse Bekanntheit, weil sie ihre Katze tötete, um sie zu einer Handtasche zu verarbeiten. Während sie von einem Gericht freigesprochen wurde, musste die Geigerin Maria de Alvear eine Geldstrafe bezahlen, weil sie einen Hirsch erlegen ließ, um ein Musikstück neben seiner Leiche aufzuführen. Auch Falk Richwien, der zwei Kaninchen auf der Bühne schlachtete und sie anschließend aß, wurde vom Gericht verurteilt.

    Die Intention der beiden Studenten ist nicht klar. In ihrem Video zum Projekt äußern sie sich hauptsächlich über den Rauch ihrer Shisha-Pfeifen und beantworten die Frage nach dem Grund mit Floskeln aus der darbieterischen Ecke  - “Das, was getan werden muss, wird dir diktiert von der Kunst, von deinem Unterbewusstsein”.

    Wichtig sind die Beweggründe für Aufregung indes nicht. Die Grausamkeit des Mordes wird angeprangert, die Kommentare unter den Artikeln sind heftig. Tatsächlich werden Tiere dabei jeden Tag getötet und sehr viel schmerzvoller als mit der Guillotine. Ist die Empörung also naiv, weil das Gräuel aus den abgelegenen Schlachthöfen der Massentierhaltung in der Öffentlichkeit vorgeführt wird?

    Wer für den Ausdruck, also auch das Streben nach Aufmerksamkeit, zu töten bereit ist, mag über sich und die Menschheit viel sagen. Wenn für diese Unterhaltung jedoch ein Geschöpf zur Beteiligung gezwungen wird, zum Schauspieler eines Akts wird, auf dessen Bühne es sein Leben lassen muss, ist die Freiheit der Kunst überschritten.


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  4. Ross Douthat

    Schade (und verständlich), dass es keine HBO Sendungen online gibt. Es sind dabei nur vier, fünf Minuten der letzten Folge Real Time, die ich verlinken möchte. Der Gast Ross Douthat, der ein Buch über Religionen – Bad Religion – schrieb, unterhält sich mit Moderator Bill Maher, einen der religionskritischsten Menschen in den Staaten. Er erklärt den Ursprung des Fundamentalismus als eine ziemlich neue Idee und beschreibt das menschliche Wesen mit seiner Offenheit für metaphysische Ideen.

    Was sind universelle Menschenrechte? Ist das nicht ebenso ein metaphysisches Prinzip? Kann man universelle Menschenrechte unter einem Mikroskop finden? Gehören sie zu den Gesetzen der Physik?

    Zwischen dem Wahnsinn extremistischer Positionen sind seine Formulierungen so bedacht gewählt und zeugen von seiner ernsthaften Auseinandersetzung mit diesem Thema. Ich würde ihn gerne in einem Gespräch mit Reza Aslan erleben.

    (Ich bin nicht religiös, sondern Agnostiker.)


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  5. Aus den Notizen Bernd Mattheus’  ~

    träume: in einem geheimcode verfaßte texte oder botschaften, die es zu dechiffrieren gilt. das paradoxe dabei: der, der codiert hat, findet nur selten den schlüssel wieder…


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  6. Was Grass uns sagen will.  ~

    Ein sehr unhysterischer Artikel über Grass’ Gedicht.


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  7. Adults Should Read Adult Books  ~

    The only thing more embarrassing than catching a guy on the plane looking at pornography on his computer is seeing a guy on the plane reading “The Hunger Games.” Or a Twilight book. Or Harry Potter. The only time I’m O.K. with an adult holding a children’s book is if he’s moving his mouth as he reads.

    Joel Stein wählt unter anderem David Foster Wallace als Beispiel guter Literatur. Dieser sagte einmal, dass Kunst die Aufgabe erfüllen müsse, den Menschen zu fassen. Es ist auch einer der Gründe, wieso er Stephen King verteidigte, der in der amerikanischen Independent-Szene ziemlich verpönt ist. Welche Funktion hat Kunst für den einzelnen Betrachter? Eine Comic mit Donald Duck kann mehr wert sein als die Guernica. Außerdem: Ist ein Kinderbuch noch ein Kinderbuch, wenn es Erwachsene lesen?

    Des Weiteren glaube ich, dass Harry Potter in einigen Jahren als Klassiker verstanden, ja vielleicht sogar in einen universitären Kanon aufgenommen werden wird. Es mag sich zwar hier nicht um Prousts Suche handeln, doch es gibt für mich keinen Zweifel daran, dass Joanne K. Rowling hochwertige Literatur erschuf.


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  8. Harald Schmidt hört auf.  ~

    Ich habe ihn seit dem Ende von Schmidt & Pocher nicht mehr regelmäßig gesehen. Er füllte einfach keine Lücke mehr. Sein Humor bestand nur noch aus dem Versuch seine eigene Langweile als lustige Arroganz zu verkaufen. Ich schätze sehr, dass er es bei Sat.1 noch mal probierte, aber ich bin nicht wirklich traurig darüber, dass es gescheitert ist. In Erinnerung bleibt er als der große Meister, der er einst wirklich gewesen ist – und das wird ihm auch niemand nehmen können.

    Nachtrag: Ich habe im Netzfeuilleton etwas längeres darüber geschrieben.

    [Mit Jannis habe ich mich zum damaligen Sat.1-Start unterhalten. (Man beachte bitte den Kommentar von "silbert".) Ich schrieb außerdem bereits vor einiger Zeit einen Abschiedstext an Dirty Harry.]


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  9. So. Und nicht anders  ~

    Carolin Emcke schreibt über das Begehren, die Liebe und ihre Offenbarung, innen wie außen. Dieser Text ist so zart und kraftvoll, er sei hiermit allen als Lektüre angeordnet.


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  10. Stirbt das Land vor Langeweile? ~

    Wir wollten statt Glamour lieber Uniformen, hatten dann statt Woody Allen (und Richard Pryor, Robin Williams, Eddie Murphy, Bill Hicks und George Carlin und noch tausend mehr) Otto und nun statt Louis CK unseren Martin „Maddin“ Schneider.

    Ich möchte unheimlich viele Stellen aus diesem Essay von Malte Welding zitieren. Er beschreibt das deutsche Problem der Unterhaltung so eindeutig.

    Es geht um unsere Identität. Wo bleibt das große Werk über Kohl? Wer ergründet dessen Nachfolger, der sich das Haar nicht färbte und jetzt für den russischen Diktator arbeitet? […] Wer erzählt unsere Geschichte?


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