Louie

Ein paar Spoiler.

Chris Rock nannte ihn den schwarzesten Weißen und Jerry Seinfeld den, der alle Verbote unbeschadet brechen könne: Louis C.K. ist vermutlich der einzige, der über Vergewaltigung, Selbstbefriedigung oder das N-Wort Witze machen kann und dabei tatsächlich lustig ist. Nicht überraschend also, dass sein Humor in den üblichen Fernsehformaten keinen Erfolg hatte. Mit Lucky Louie hatte er versucht, seinen Stil in eine Familiensitcom zu verpacken. Heute muss man HBO dafür danken, dass sie die Sendung schon nach der ersten Staffel absetzte. Sonst wäre vielleicht nie Louie entstanden, die beste Comedy-Serie seit The Office.

Mit dem Regelwerk der amerikanischen Sitcom bricht Louie vollkommen. Es gibt keine witzigen Dialoge mit einer Pointe pro Satz und Louis C.K. ist die einzige Hauptfigur der Sendung, Nebenfiguren kommen nicht regelmäßig vor. Am ehesten ist es noch mit Curb your Enthusiasm vergleichbar. Doch wo Larry David in unangenehme Situationen gerät, die er mit etwas mehr sozialem Gespür hätte vermeiden können, ist C.K. nicht das Opfer seiner Unfähigkeit. Stattdessen erzählt jede Folge eine Geschichte aus dem Leben eines Menschen, der überfordert mit sich selbst ist und nie weiß, ob er sich seiner Umgebung anpassen oder verweigern möchte. Ständig deprimiert und erschöpft versucht er irgendwie den Alltag und die Erziehung seiner Kinder zu meistern. Erst auf der Bühne ist er von seiner Misere weit entfernt, die Szenen, die vergleichbar mit Seinfeld, am Anfang und am Ende jeder Episode zu sehen sind, sind ihm Ausgleich, machen sein Schicksal erst erträglich, scheint es.

Das Wunderbare am Konzept ist, dass nicht um jeden Preis versucht wird, lustig zu sein. Viel mehr wird eine Situation kreiert, die ihrer Handlung alle Zeit einräumt. Der Humor ist vielfältig, mal in kleinen Details, klaren Pointen, surrealen Vorstellungen oder dem skurillen Zustand selbst zu finden. Zum Beispiel wenn C.K. auf einer langen Autofahrt plötzlich beginnt, zu einem Lied aus dem Autoradio mitzusingen und die Instrume mit den Händen nachzuahmen. Dabei sehen ihn seine Töchter mit einer Mischung aus Vergnügen und Entsetzen an. In einer anderen Folge schlägt er eine Frau auf ihre Bitte hin und als sie weinend und ihren Vater um Vergebung flehend darauf besteht, dass er nicht aufhört, dann ist da diese Kombination aus kompletter Unbeholfenheit und Hilflosigkeit zu sehen. Die Kamera fängt das Ganze von Weitem ein wie ein karikaturistisches Gemälde und die Hintergrundmusik fügt sich dem Stimmungswechel: plötzlich setzen Streicher ein.

Die Serie spielt dabei mit allerlei Elementen, ob visuell, musikalisch oder inhaltlich. Mal werden die satten Farben plötzlich schwarzweiß, dann setzt hier und da traurige Musik ein, um einer Situation noch mehr Tiefe zu geben. Aber auch Tagträume, aus denen erst spät erwacht wird oder überspitzte Handlungen haben ihren Platz. In der Pilotfolge etwa nähert sich C.K. den Lippen einer Frau, die dann völlig aufgewühlt vor ihm wegläuft, bis sie in einen Hubschrauber einsteigt. Das erinnert an alte Woody Allen Filme.

Die stilistischen Experimente sind in erster Linie dem offenherzigen Vertrag zu verdanken. Der Sender FX räumte C.K. alle gestalterischen Freiheiten ein. Er muss sich dafür mit einem niedrigen Budget begnügen, das man bisher aber keiner Folge anmerken kann. Die zweite Staffel neigt sich dem Ende zu, eine dritte ist aber bereits bestätigt worden.

Louie ist erfrischend, keine Folge war bisher nicht ausgezeichnet. Sicher wird die Serie keine Massen begeistern, dafür ist sie zu weit entfernt von Punliche-Dialogen und traditionellen Charakterkonstrukten. Wer sich jedoch daran versucht, wird wunderbare Geschichten erleben und schließlich nicht aufhören zu lachen.


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